R.C. Sproul

Warum leugnen Menschen die Existenz Gottes?

Warum leugnen Menschen die Existenz Gottes?

Den Atheisten des 19. Jahrhunderts zufolge ist Religion das Ergebnis der Phantasie von Menschen, die nicht den Mut besitzen, sich der harten Realität der Sinnlosigkeit des Lebens zu stellen. Das psychologische Bedürfnis, der düsteren, kalten Realität zu entkommen, treibe Menschen dazu, sich einen Gott auszudenken, der sie aus der Bedeutungslosigkeit rettet.

»Menschen werden alles in ihrer Macht Stehende tun, um ihre Schuld und Verantwortung zu leugnen, bis hin zur Leugnung der Verantwortung für das eigene Leben.«

Allerdings muss man anerkennen, dass jeder, der sich auf eine Diskussion über die Existenz Gottes einlässt, psychologisch vorbelastet ist – auch diejenigen, die gegen seine Existenz argumentieren. Sie haben ein großes Interesse daran, seine Existenz zu leugnen, da sie ihrer Autonomie im Weg steht. Wenn wir ungestraft leben wollen, ist das größte Hindernis ein aus sich selbst existierender, ewiger Gott, der rechtschaffen und gerecht ist. Für unbußfertige Sünder ist das schlimmste, was ihnen passieren kann, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen. Folglich ist die Leugnung Gottes absolut notwendig, um ungestraft leben zu können. Menschen werden alles in ihrer Macht Stehende tun, um ihre Schuld und Verantwortung zu leugnen, bis hin zur Leugnung der Verantwortung für das eigene Leben.

Der Wunsch nach einem Gott beweist seine Existenz genauso wenig, wie der Wunsch, es solle keinen Gott geben, seine Existenz widerlegt. Argumente für die Existenz Gottes müssen auf einer objektiven Grundlage basieren, nicht auf einer subjektiven Vorliebe. Der Vorwurf an Christen, nur aus einem Wunschdenken heraus an einen Gott zu glauben, betrifft schließlich auch die andere Seite. Der Atheist, der die Existenz Gottes leugnen möchte, hat genauso ein psychologisches Bedürfnis wie der Gläubige, der die Existenz Gottes bejahen will.

»Argumente für die Existenz Gottes müssen auf einer objektiven Grundlage basieren, nicht auf einer subjektiven Vorliebe.«

Die Bibel spricht klar und deutlich über dieses Problem. Die Schrift lehrt uns, dass der gefallene Mensch in seiner Sünde Gott nicht in seinem Denken zulassen möchte. Unser natürlicher, sterblicher Zustand beinhaltet ein verdorbenes, verdunkeltes Denken – von Vorurteilen so verdunkelt, dass wir das Fenster nicht einmal einen Spalt weit öffnen möchten, um die Strahlen der Selbstoffenbarung Gottes hineinzulassen. Wir wissen, was auf dem Spiel steht – und wir wissen, dass wir ein Problem haben, wenn wir dieses Wissen an uns heranlassen.

Paulus lehnt die Idee ab, Menschen würden die Existenz Gottes verneinen, weil sie nicht intelligent genug seien, unzureichende Informationen hätten oder weil Gottes Offenbarung in irgendeiner Weise undeutlich sei. Ihr Problem ist kein intellektuelles, sondern ein moralisches. Es ist nicht so, dass sie Gott nicht kennen können, sondern dass sie ihn nicht kennen wollen. Daraufhin sagt Paulus:

»Denn Gottes Zorn wird vom Himmel her offenbart über alles gottlose Leben und alle Ungerechtigkeit der Menschen, die die Wahrheit durch Ungerechtigkeit niederhalten.« (Röm 1,18)

»Was wir mehr fürchten als die Natur und mehr als die Bedeutungslosigkeit, ist, dass wir von einem heiligen Gott zur Rechenschaft gezogen werden, denn in der Gegenwart des Heiligen werden wir sofort als unheilig entlarvt.«

Gott ist zornig, weil er den Menschen Erkenntnis gegeben hat, die nicht verschleiert oder unklar ist. Gott hat sich jedem Menschen deutlich offenbart. Paulus’ radikale Aussage ist also: Jeder einzelne Mensch weiß, dass Gott existiert, weil Gott sich ihm in der Schöpfung deutlich gezeigt hat. Menschen unterdrücken diese Erkenntnis von Natur aus jedoch und versuchen, sie zu vergraben.

Paulus zufolge steckt hinter Atheismus ein psychologisches Bedürfnis. Was wir mehr fürchten als die Natur und mehr als die Bedeutungslosigkeit, ist, dass wir von einem heiligen Gott zur Rechenschaft gezogen werden, denn in der Gegenwart des Heiligen werden wir sofort als unheilig entlarvt. Der Gott der Schrift ist ein Gott, der allwissend ist und damit alles über uns weiß. Er ist ein allmächtiger Gott. Er ist ein vollkommener, heiliger Gott.


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