Gebet braucht Struktur, aber nicht auf Kosten der Spontaneität. Ich habe versucht, zu zeigen, wie wir schädliche Fallstricke auf unserem Glaubensweg vermeiden können. Kein Kapellmeister sagt seinen Musikern, sie sollen spielen, was sie wollen, und erwartet dann, die Nationalhymne zu hören. Es muss Ordnung herrschen, und der Ablauf muss einigermaßen geregelt sein. Innerhalb der Grenzen von Ehrerbietung und Ordnung gibt es jedoch immer noch Raum für individuellen Selbstausdruck.
Warum beten wir?
- Wir beten, weil Gott es befohlen hat und weil er dadurch verherrlicht wird.
- Wir beten, weil es unser Herz auf das vorbereitet, was wir von ihm empfangen werden.
- Wir beten, weil Gebet viel bewirken kann.
- Wir beten, um Gott anzubeten, um ihn zu loben, um unser Staunen über seine Majestät, seine Souveränität und seine mächtigen Taten auszudrücken.
- Wir beten, um Gott unsere vielen Sünden zu bekennen, und um Gnade, Barmherzigkeit und Vergebung aus seiner Hand zu empfangen.
- Wir beten, um ihm für all das zu danken, was er ist und was er getan hat.
- Wir beten, um mit Fürbitten vor ihn zu treten, weil er uns dazu eingeladen hat.
Wenn wir beten, müssen wir uns vergegenwärtigen, wer Gott ist und wer wir vor ihm sind. Zuerst erinnern wir uns also daran, dass Gottes Name heilig gehalten werden muss. Wir führen uns vor Augen, dass er die Quelle unserer Versorgung ist und dass alle guten Dinge von ihm kommen.
Wir müssen uns immer in Erinnerung rufen, dass Gott Gott ist und keinem Menschen etwas schuldet. Der Psalmist sagte: »Er kann schaffen, was er will« (Ps 115,3). Wir sind eingeladen, kühn und freimütig vor Gott zu treten – aber niemals leichtfertig, respektlos oder anmaßend. Prediger 5,1 erinnert uns: »Sei nicht schnell mit deinem Munde und lass dein Herz nicht eilen, etwas zu reden vor Gott; denn Gott ist im Himmel und du auf Erden; darum lass deiner Worte wenig sein«.
Wenn es ein Geheimnis gibt, wie man beten lernt, dann entdeckt man dies wie bei jeder anderen Sache, die man meistern möchte. Um etwas zu erreichen, müssen wir üben. Wenn wir lernen wollen, wie man betet, dann müssen wir beten – und immer weiter beten.