Alistair Begg

Mit den Augen auf die Ewigkeit gerichtet beten

Mit den Augen auf die Ewigkeit gerichtet beten

Wenn ich mir Paulus’ Gebete anschaue, fällt mir immer wieder auf, dass viele Anliegen, um die sich meine Gebete drehen, in seinen Gebeten überhaupt nicht vorkommen. Lies seine Gebete im Epheserbrief (oder irgendeinem anderen seiner Briefe) – es ist bemerkenswert, dass es nie um materielle Fragen geht. Das ist besonders erstaunlich, wenn man bedenkt, dass Paulus im Gefängnis in Rom saß. Aber er betet nicht für seine Notlage und auch nicht für seine Freilassung. Eigentlich wäre das völlig legitim, denn er schreibt in Philipper 4,6: »Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden!«

Paulus schrieb und glaubte das, und auch wir müssen das tun. Aber wir müssen ihm auch darin zustimmen, dass diese Sorgen letztendlich nicht von Belang sind. Wir dürfen mit allem zu Gott kommen, was wichtig ist, aber tatsächlich sind es nicht immer die wesentlichen Dinge, mit denen wir zu Gott kommen.

»Wenn die Augen unseres Herzens für das geöffnet werden, was uns in der Zukunft erwartet, werden wir ganz anders leben, und unsere Prioritäten und Gebete werden neu geordnet.«
Die Gläubigen in Ephesus waren in gewisser Weise genau wie wir. Sie sorgten sich um Nahrung, Kleidung und Unterkunft. Sie bedachten, besprachen und zerbrachen sich den Kopf über das Verheiratetsein oder das Heiraten, das Elternsein oder Elternwerden (und an manchen Tagen auch über die Tatsache, dass sie lieber keine Eltern wären), über den Beruf, Steuern, Reichtum, Gesundheit usw. Aber in all seinen Gebeten für sie verliert Paulus kein einziges Wort darüber. Tatsächlich kommt das Gebet um Gesundheit (das, wenn wir die Gebete westlicher Christen belauschen könnten, wahrscheinlich an erster Stelle steht) in der Bibel selten oder kaum vor. Warum beten wir dann so viel dafür? Weil wir nicht sterben wollen. Wir wollen leben. Wir hegen den leisen Verdacht, dass das, was wir jetzt haben (diesseits des Todes), besser ist als das, was Gott jenseits des Todes für uns bereithält. Deshalb klammern wir uns an das, was wir haben. Aber stattdessen müssen wir glauben – wirklich glauben – dass diese Worte wahr sind: »Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr gerettet –; und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus, damit er in den kommenden Zeiten erzeige den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christus Jesus.« (Eph 2,4–7)

Du bist jetzt mit Christus im Himmel mit eingesetzt worden. Du bist Teil einer Familie, die ewig bestehen wird. Eines Tages wirst du in einem neuen Himmel und auf einer neuen Erde leben. Du wirst deinen Gott von Angesicht zu Angesicht sehen – und du wirst ihn preisen mit einem Herzen, das nicht mehr von der Sünde belastet und abgelenkt ist, und mit einem Körper, der nicht mehr zerstört werden und nicht mehr verfallen kann.

Und da wollen wir, du und ich, nur beten, dass wir gesund bleiben und lange leben? Wir dürfen mit allem zu Gott kommen, was wichtig ist, aber tatsächlich sind es nicht immer die wesentlichen Dinge, mit denen wir zu Gott kommen.

Wenn die Augen unseres Herzens für das geöffnet werden, was uns in der Zukunft erwartet, werden wir ganz anders leben, und unsere Prioritäten und Gebete werden neu geordnet. Wir werden weniger für die praktischen Dinge unseres Lebens beten, sondern vor allem für die geistlichen Realitäten unseres ewigen Lebens. Ewige Angelegenheiten werden wichtiger, und die aktuellen Sorgen verlieren an Gewicht. Wir leben und beten dann auf der Grundlage der Wahrheit aus Philipper 1,21: »Christus ist mein Leben, und Sterben ist mein Gewinn.« Aber als zeitgebundene und gefallene Kreatur, die ich von Natur aus bin, vergesse ich oft den geistlichen und ewigen Aspekt der Realität. Deshalb kommen die Dinge, um die meine Gebete kreisen, in den Gebeten von Paulus nicht vor – während ich kaum für die Dinge bete, die Paulus wichtig sind. Seine Augen sind auf die Ewigkeit gerichtet. Seine Gebete sind geistlich. Und so müssen auch wir beten.

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