Tony Reinke

Endlich wieder mehr lesen – aber wie?

Endlich wieder mehr lesen – aber wie?

Leseprioritäten setzen

Unser Lesen kann weder diszipliniert, effizient noch fruchtbar sein, solange wir nicht mit einem klaren Ziel lesen. Bevor du mit einem Buch beginnst, solltest du dir überlegen, warum du es lesen möchtest.

Häufig vernachlässigen wir das, was wir nicht als Priorität betrachten. Das Lesen von Büchern fällt oft hintenüber, weil es keine feste Priorität hat – und das wiederum liegt daran, dass wir unsere Leseziele nicht klar definieren. Sobald wir den Zweck unseres Lesens festlegen, wird es viel einfacher, den praktischen Nutzen von Büchern in unserem Leben zu erkennen.

»Wartest du noch auf die perfekte Gelegenheit zum Lesen? Dann solltest du vielleicht mit etwas anderem aufhören.«

Überlege dir genau, was du lesen möchtest und was du lesen musst – und beziehe auch deine Freizeitlektüre mit ein. Anschließend wähle Bücher aus, die diesen Prioritäten entsprechen. 

Mit etwas aufhören

Trotz aller zusätzlichen Freizeit ist unsere Lebenszeit begrenzt (Psalm 90). Die Kürze des Lebens erfordert, dass wir unsere Prioritäten entsprechend setzen. Wartest du noch auf die perfekte Gelegenheit zum Lesen? Dann solltest du vielleicht mit etwas anderem aufhören.

Der Schriftsteller Alan Bissett hat das erkannt. Er schrieb:

»Der Leser wird von Hunderten Fernsehkanälen, 3D-Kinos, einer gigantischen Computerspielindustrie, Smartphones, YouTube, sozialen Netzwerken, Sportnachrichten rund um die Uhr und unzähligen Serienboxen abgelenkt. Hinzu kommen finanzielle Belastungen, längere Arbeitszeiten und eine ohnehin schon knappe Freizeit, die durch Textnachrichten, E-Mails und Social Media weiter geschrumpft ist. Fast jeder behauptet, dass er Bücher liebt, aber einfach keine Zeit zum Lesen findet. Vermutlich wäre es möglich – doch die Zeit wird anders genutzt.«

Was konkurriert mit deiner Lesezeit? Was ist weniger wichtig als das Lesen? Keine Beschäftigung vergeudet Zeit mehr als jene, die keinen echten Nutzen bringt. Angesichts der Tatsache, dass der durchschnittliche Erwachsene (18-44 Jahre) in Deutschland täglich nur 12 Minuten liest, aber 128 Minuten fernsieht, gibt es bei vielen von uns durchaus Spielraum, die Zeit sinnvoller zu nutzen.

Was muss also in deinem Leben aufhören, damit du mit dem Lesen anfangen kannst?

Drei Bücher gleichzeitig lesen

Hast du Probleme, Zeit zum Lesen zu finden? Vielleicht hilft es, mehr Bücher gleichzeitig zu lesen. Das mag paradox klingen, doch ich habe festgestellt, dass ich mehr lese, seitdem ich stets drei Bücher parallel habe. Warum? Ganz einfach: Ich lese zu verschiedenen Tageszeiten unterschiedliche Bücher.

Ich genieße historische Romane, aber sie sind nichts für den Morgen. Theologische Werke lese ich selten vor dem Schlafengehen. Und epische Romane wie Herr der Ringe sind für mich unterwegs schwer zu konsumieren.

Verschiedene Genres passen zu unterschiedlichen Tageszeiten. Indem ich drei Bücher aus unterschiedlichen Kategorien lese, kann ich meine Lesezeit flexibler gestalten. Wenn ich hingegen nur ein Buch lese, ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass ich keine passende Gelegenheit finde.

»Wir alle können Zeit zum Lesen finden – aber es erfordert bewusste Entscheidungen.«

Nutze deine Umgebung

Als ich begann, über meine Lesegewohnheiten nachzudenken, stellte ich fest, dass bestimmte Orte bestimmte Arten des Lesens begünstigen. Hier einige Beispiele:

  • Lesen am Schreibtisch: Morgens starte ich meinen Tag mit einer Tasse Kaffee und lese dort häufig die Bibel oder theologische Bücher zur persönlichen Andacht.
  • Café-Lektüre: Komplexe und anspruchsvolle Bücher nehme ich mit ins Café, wo ich mich mehrere Stunden konzentriert dem Lesen widme.
  • Friseursalon-Lektüre: Beim Friseur gibt es Wartezeiten. Ich nutze sie immer für ein Buch.
  • Lesen in der Mittagspause: Bei der Arbeit habe ich Bücher griffbereit, um in kurzen Pausen einige Seiten zu lesen.
  • Abendlektüre: Nach einem langen Tag, wenn mein Gehirn erschöpft ist, greife ich zu Biografien oder historischen Romanen.
  • Bettlektüre: Neben meinem Bett liegt immer ein Stapel Bücher mit Gedichten, Essays oder ausgewählten Kapiteln, die ich in kurzen Abschnitten lese.
  • Reiselektüre: Während des Reisens habe ich gelernt, dass Sachbücher oder Ratgeber besser geeignet sind als Romane. Sie helfen mir, über mein Leben, meine Familie und meine Ziele nachzudenken.

Indem ich mehrere Bücher gleichzeitig lese, kann ich flexibel auf unterschiedliche Situationen reagieren. Deine Leseumgebung wird sich vielleicht von meiner unterscheiden, aber wenn du bewusst darauf achtest, kannst du gezielt passende Bücher für verschiedene Gelegenheiten auswählen.

Der Sinn des Ganzen

Wir alle können Zeit zum Lesen finden – aber es erfordert bewusste Entscheidungen.

  • Sei dir des inneren Widerstands bewusst, der dich vom Lesen abhält.
  • Suche nach Möglichkeiten, zu lesen, statt nach Ausreden, warum du nicht liest.
  • Kultiviere eine Leidenschaft für Bücher, indem du großartige Werke liest (und wieder liest).
  • Setze klare Leseprioritäten und wähle Bücher gezielt aus.
  • Verzichte bewusst auf weniger wichtige Aktivitäten, um Zeit fürs Lesen zu schaffen.
  • Versuche, mehrere Bücher gleichzeitig zu lesen, um flexibler zu sein.
  • Du musst weder ein professioneller Buchkritiker sein noch überdurchschnittlich intelligent, um viel zu lesen. Aber du musst konsequent und zielstrebig sein.

Wenn du dich disziplinierst, wirst du die Zeit finden, die du zum Lesen brauchst.

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